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Vonbethge

Offline gegen online!

17.01.2019

Amerikanische Shopping-Center sind nicht mehr das, was sie mal waren, sie stecken in einer handfesten Misere! Sieht es bei uns in Deutschland genau so aus?

Zwischen der amerikanischen und der deutschen Handelsstruktur liegen Welten. Die Centerdichte ist hierzulande deutlich geringer als in den USA. Doch gibt es weiterhin ein ständiges Wachstum in diesem Bereich. 2018 sind in Deutschland fünf neue Center dazu gekommen. In diesem Jahr sind weitere zehn Center geplant. Die Gesamtzahl der deutschen Shopping-Center wird nach Prognosen bis Ende 2020 auf ca. 500 Stück steigen. Die Marke könnte mittelfristig allerdings auch die Wachstumsgrenze im deutschen Markt sein. Außerdem ist der Onlinehandel sehr wichtig geworden, was sich daran ablesen lässt, dass die Kundenfrequenzen in den Innenstädten deutlich sinken. Läden müssen schließen. Große Konzerne wie Karstadt vermieten ganze Etagen an externe Supermärkte und Drogerien. Derzeit ist vor allem der Modehandel unter Druck geraten. Wie wichtig Bekleidungsgeschäfte für die Center sind, zeigt sich dadurch, dass etwa die Hälfte der Fläche von Bekleidungs-/Textilgeschäften belegt sind. Sinken allerdings die Einnahmen der Läden, sinken somit auch die Mietzahlungen. Allerdings muss der Vermieter muss erst einmal wahrnehmen, dass die Mieten nicht mehr gezahlt werden können. Außerdem gibt es noch genügend Anbieter, die derzeit freiwerdende Flächen übernehmen. Das wiederum stabilisiert kurzfristig die Mietpreise.  Allerdings werden nicht mehr so langfristige Verträge geschlossen wie einst. Nicht mehr lange lässt sich also die Mietpreiserosion verhindern.

Große Onlinehändler eröffnen vereinzelt Läden, die meist nur als Showrooms konzipiert sind und die die Marke herausstellen sollen. Dort wird also das Produkt erklärt und gezeigt, verkauft wird über das Internet. Mittlerweile nutzen auch stationäre Händler ihre Läden zunehmend als Präsentationsfläche um den Online-Umsatz zu erhöhen.

Wie reagieren die Vermieter auf die Entwicklung? Centerbetreiber möchten zunehmend am Onlinegeschäft ihrer Mieter beteiligt werden. Dies ist bei vereinzelten Anbietern schon ein Bestandteil der Mietverträge. Leider funktioniert das Vorhaben nicht ganz wie gewünscht. Der Online-Umsatz lässt sich nur schwer auf einen Laden herunter brechen. Kundenfrequenzen gelten als eine Art neue Währung. Aber ob das wirklich funktioniert, wird sich erst mit der Zeit herauskristallisieren.

Vonbethge

Amazon eröffnet Shops!?

Im Internet-Handel zeigt Amazon seit Jahren wie man einen Markt dominiert. Nun wagt sich der Online-Gigant verstärkt mit echten Läden in die Städte. Den Zeitpunkt für den neusten Versuch hat Amazon ganz genau ausgewählt.

Amazon tastet sich näher an den Handel in richtigen Geschäften aus Glas und Stein heran. Der Online-Gigant eröffnet am Berliner Kudamm für knapp eine Woche (vom 22. bis 27. November) einen temporären Laden. Der Titel der Aktion – „Home of Christmas“ – kommt als Einstimmung aufs Weihnachtsgeschäft daher.

Doch ist es wohl kein Zufall, dass die wenigen Öffnungstage in die Zeit des „Black Friday“ (23.November) fallen, wenn bei vielen Online-Händlern massive Rabatte gewährt werden. Bei Amazon werden dagegen die Preise am „Cyber Monday“ (26. November) stark gesenkt.

Amazons geplanter Berliner Pop-up-Store gibt sich allerdings ganz vorweihnachtlich mit der Präsentation von 500 Geschenkideen, Weihnachtsbäckerei und „Wohnzimmer Events“, etwa Autorenlesungen. Per App könnten die Produkte direkt vor Ort gekauft und anschließend geliefert werden, kündigte das Unternehmen an.

Online-Händler suchen Nähe zum Kunden
Amazon treibt die Verknüpfung des Online-Handels mit klassischen Läden schon länger gezielt voran. Mit dem Kauf der US-Supermarktkette Whole Foods für mehr als 13 Milliarden Euro erfolgte ein großer Schritt in den stationären Handel, doch auch andere Formate probiert das Unternehmen gezielt aus.

NEUE STRATEGIE
Warum Amazon und Co. jetzt wieder offline gehen
So eröffnete er bereits vor zwei Jahren einen Pop-up-Store für seine Technikprodukte im Oberhausener Einkaufszentrum Centro. Auch andere Online-Händler suchen stärker die Nähe zu den Fußgängerzonen. Zalando beispielsweise bietet Boutiquenbesitzern und Bekleidungsläden eine einfache und niedrigschwellige Einbeziehung in seine Plattform an.

In den USA wächst der Wettbewerbsdruck
Amazon hat gute Gründe, sich im Weihnachtsgeschäft 2018 besonders anzustrengen. Als der Konzern vor einigen Wochen die Prognose für die Verkäufe während der letzten drei Monate bekannt gab, reagierte die Börse enttäuscht. Das prognostizierte Plus von zehn bis 20 Prozent im vierten Geschäftsquartal reichte vielen Investoren nicht, hatte die Steigerungsrate im Vorquartal doch noch 29 Prozent betragen.

Deutschland ist in diesem Jahr zudem ein attraktives Feld für alle, die die vorweihnachtliche Kauflaune nutzen wollen. Der Handelsverband Deutschland rechnet mit einem Weihnachtsgeschäft von erstmals mehr als 100 Milliarden Euro. Es dürfte so positiv ausfallen, dass der Verband seine Umsatzprognose fürs Gesamtjahr auf plus 2,3 Prozent nach oben korrigierte.

WEIHNACHTSSHOPPING
„Große Pläne zum Fest“ – die Deutschen im Kaufrausch
In den USA versucht Amazon, die Geschäfte mit besonderen Vergünstigungen für die Kunden noch stärker auf Trab zu bringen. So kippte das Unternehmen fürs diesjährige Weihnachtsgeschäft die Regelung, dass eine kostenlose Lieferung erst ab einem Mindesteinkaufswert von 25 Dollar erfolgt – auch für Kunden, die nicht die 119 Dollar jährlich für eine Prime-Mitgliedschaft ausgeben.

In den USA wächst der Wettbewerbsdruck auf Amazon durch mächtige Konkurrenten wie Walmart und Target, die ihre Online-Aktivitäten massiv ausweiten. Von ähnlichen Vergünstigungen bei den Lieferkonditionen in Deutschland ist bisher nicht die Rede. Der Standardversand ist in Deutschland ab einem Bestellwert von 29 Euro kostenfrei.

Artikel erschien zuerst auf welt.de